PM: Erholungsorte für Potsdamer*innen und Besucher*innen, statt gut bewachter musealer Parkanlagen 

Die Parkanlagen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) sind auch wegen ihrer Zugänglichkeit ein wichtiger Naherholungsort für viele Menschen. Die meisten gehen mit „Ihrem“ Park auch sehr achtsam um. Dennoch schaltet die SPSG wie am 29. März 2022 angekündigt, eine Eskalationsstufe höher, um ihre Parkordnung durchzusetzen. Anstelle des Wachpersonals des Subunternehmens Federicus wird nun der Ordnungsdienst der SPSG eingeschaltet. Diese soll bei Verstößen Personen festhalten und Personalien aufnehmen dürfen, bis die Polizei eintrifft. Der Bußgeldkatalog bleibt dabei schwammig, die Strafen können bis zu 10.000 € betragen.

Dazu äußern sich die Potsdamer Landtagsabgeordneten der LINKEN, Isabelle Vandre und Marlen Block:

    Isabelle Vandre: „Die restriktiven Maßnahmen der Stiftung heizen den Konflikt um die Nutzung der Parks weiter an. Anstatt die Parks und Gärten an die Bedürfnisse der Menschen im 21. Jahrhundert anzupassen, greift die Stiftung mit preußischer Härte gegen all jene durch, die sich kein Eigenheim am Ufer Potsdamer Seen leisten können. Wir sollten lieber darüber diskutieren, wie beispielsweise durch das Aufstellen weiterer Mülleimer an frequentieren Orten, das Ausweisen von Brutstellen oder die Befestigung der Wege für Fahrradfahrer:innen, die Interessen aller miteinander vereint werden können. So bleibt der schale Beigeschmack, dass die SPSG mehr in die Anstrengung investiert, Potsdam zu einem Museum für Tourist:innen zu machen, als tatsächliche Lösungen für eine Verbindung des Schutzes des Welterbes und der Natur mit dem Naherholungsbedürfnis der Potsdamer:innen zu suchen.“

    Marlen Block: „Wir sind uns ja einig, dass nach dem Picknick oder dem Feiern der Müll beseitigt werden und beim Baden Acht auf Brutplätze gegeben werden muss. Dafür aber neben Ordnungsamt und Mitarbeiter*innen von Federicus, private Sicherheitsunternehmen einzusetzen, schafft auch ein Klima der Verfolgung gegenüber Menschen, die achtsam das Potsdamer Weltkulturerbe genießen wollen und sich zum Beispiel nur kurz auf einer Rasenfläche niederlassen oder ein Bad im See genießen wollen. Die Ankündigung rigoroser Bußgeldverhängung zeigt, dass die SPSG keinerlei Interesse an einer Diskussion über unterschiedliche Nutzungsbedürfnisse hat, sondern vor Ort ihre Macht und ihre Regeln durchsetzen möchte – koste es was es wolle.“

Beide Abgeordnete sind sich einig, dass mit der Coronapandemie noch stärker als davor kostenlose Orte im Freien zum Verweilen gebraucht werden. Augenmaß und Erhalt des Weltkulturerbes als kostenfrei zugänglicher, lebendiger und vor allem auch nutzbarer Ort, ist angebrachter als Sanktionsandrohungen.


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